Teamentwicklung ohne strategische Vorgaben

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Wo ist das Ziel?

Alle Wege führen nach Rom oder zum Ursprung: Es fehlt an einem strategischen Ziel. Ob man auf der persönlicher Ebene sich die Frage stellt: Wohin soll es denn gehen, wie soll das Ziel aussehen? Oder auf der Unternehmensbene: Was soll denn konkret erreicht werden?

Ohne klar formuliertes Ziel kann man nicht klar denken. Man verbraucht seine inneren Ressourcen, wird weniger stressresistent und unruhig. Auf Unternehmensebene bedeutet das: Ein Unternehmen, das von einer Seite auf eine andere springt, ständig wechselnde Ideen und Richtungen verfolgt. Solange das Unternehmen schlank ist, kann es ausmanövriert werden (bis das Ressourcenproblem akut wird), bei großen Unternehmen ist es fatal: ein Tanker, der, sich in schmalem Gewässer befindend, ständig den Kurs wechselt oder gar keinen Kurs kennt und sich von Wellen und wechselndem Personal treiben lässt.

Fragt man Personen: Was möchtest Du in Deinem Leben? Es kommt als Antwort: Na ja, Reichtum, Gesundheit, Glück. OK, wollen das nicht denn alle? Was konkret möchtest Du für Dich? Was ist Dein Reichtum, Deine Gesundheit, Dein Glück? Oder noch ketzerischer gefragt: Du willst gesund werden, was machst Du denn für Deine Gesundheit? Und wenn da kein konkreter Plan mit dem Zukunftsbild als Antwort kommt, dann bedeutet es nur eins: Nein, der Mensch ist nicht faul (man kann es natürlich noch auf das faule Hirn schieben und die bösen neuronale Netzwerke für alles verantwortlich machen 🙂 ), und er belügt nicht mal sich selbst (zumindest nicht bewußt). Sein Ziel ist nicht klar formuliert, nicht attraktiv genug und der Mensch befindet sich nicht im “Gestaltermodus”.

Fragt man Unternehmer, bekommt man ungefähr die gleiche Antwort: Na ja, die Firma muss ja Geld verdienen. Ja, das stimmt, das ist Sinn und Zweck jeder Firma, sogar wohltätige Organisationen sind auf Spenden angewiesen. Aber wieviel mit welchem Geschäftsfeld soll die Firma verdienen? Wo genau soll die Firma in 5 Jahren stehen? Welches Ziel soll konkret erreicht werden und welche Investitionen werden dazu benötigt? Auf welche Nebenziele darf dabei verzichtet werden? Ist denn das Ziel klar formuliert, attraktiv und gibt es jemanden, der überhaupt im Gestaltermodus ist? Gibt es evtl. viele Gestalter, die ziellos in wildem Aktionismus etwas kreieren? Oder Ziele ohne Gestalter (Müller’s Konzept fand keinen Weg zu der obersten Etage)? Oder wird hier in Analogie mit der persönlichen Ebene die Verantwortung auf das faule Gehirn (Manager der mitteren Ebene eignen sich dafür am besten 🙂 und nicht funktionierende Teams, Prozesse, Konjunktur, Digitalisierung, Corona usw.) weitergeschoben?

Auf Projektmanagementebene können wir sagen: Schaut mal, das Ziel ist SMART, alle los. SMART für wen? Oder sarkastisch formuliert:  Wer bekommt einen Smart Fortwo als Belohnung, wenn das Projekt “fliegt” und wer ganz schön smart auf die Finger, wenn das Projekt versenkt wird?

Ja, in der VUCA-Welt kann man kein scharfes Ziel formulieren, deswegen arbeitet man mit “Feldern” und “nicht das Ziel”-Vorgaben. Daraus entsteht ein Zukunftsstrahl  mit Feldern und Szenarien. Genauso wie ein klar erstelltes Zukunftsbild auf der persönlichen Ebene mobilisiert es die Ressourcen, die auf dieses Ziel einzahlen, und läuft es im Unternehmen ab. Nur dass ich auf der persönlichen Ebene mit meinem “innerem Team” die Ziele zu vereinbaren habe, um innere Konflikte zu vermeiden; bei einem Unternehmen wird einfach ein Konfliktmanagementseminar gebucht… In NLP werde ich auf persönlicher Ebene den Kontext meiner Ziele formulieren: wann, wo, mit wem? Auf Unternehmensebene bedeutet das: Wer sind meine zukünftigen Mitarbeiter? Wer sind meine zukünftigen Kunden? Und wo stehen da die Teamsmitglieder, wenn die Teams als treibende Kraft im Unetrnehmen angesehen werden?

Verantwortung der Teams

Kommen wir etwas genauer zu den Teams. Wie bereits Reihold Sprenger erwähnt hat, sind wir Individualisten. Teams und Hierarchien – beißen sich… Teams und Individualismus – na ja, schauen wir mal bei der nächsten Retrospektive wie es funktioniert, insbesondere wenn der oberste Chef ganz zufällig vorbeischaut; ist uns die Transparenz der Prozesse wirklich so wichtig? :-). Das Team befindet sich in einer Sandwichposition zwischen den Zielen des Unternehmens, persönlichen Zielen und den Zielen des Teams. Was war nochmal das Ziel des Unternehmens? Ah ja, Geld verdienen. Was ist nochmal das Ziel von den Teammitgliedern auf individueller Ebene? Ah ja, Reichtum… Stopp, aber wer ist dann hier der Gestalter im Unternehmen und in welches Zukunftsbild wird denn investiert?

Na, die Teams sind die Gestalter. Sie sind doch frei und kreativ, nicht?

OK, also müssen die Teams die Gestalter sein? Eine Gruppe aus Individuen, die noch zu eigenen Zielen und daraus resultieren Rollen finden muss (Zeit, Ressourcen, Budget), die noch das Ziel für das Team aus groben Vorgaben zuerst ausformulieren (Zeit, Ressourcen, Budget) und spätestens nach dem 2. Fehlversuch zur festen Deadline ein Ergebnis liefern muss, um es danach zielkonform dem Vorgesetzten präsentieren zu können. Wohlmöglich gibt der Vorgesetzte eine dritte Chance mit zeitnaher Deadline,  Ressourcen und Budget werden gekürzt.

Also, wir haben einen Tanker, der irgendwohin nach Süden möchte, oder ist es eher Südwesten? Er ist voll von Individualisten (mit den Vorgaben: Sei stark! Sei kreativ!), mit nicht mal für sich selbst klar formulierten Zielen (passt mir das Klima im Südwesten? Oder war es Südosten? Reicht da noch Reichtum für mich?), wobei die Individualisten dennoch in Hierarchien leben und Teamgeist dabei ausleben sollen (umswitchen, wann es dem Kapitän passt). Und dann soll der Tanker in 5 Minuten wenden, da eine böse Kondratieff-Welle (oder ein vom Himmel fallender Megatrend?) ihn mitzunehmen droht. Rebranding, Restrukturierung, neue Teams, Changeprozess ohne “Einfrierphase” – das volle Programm. Und was ist mit den Teams?

Sie werden ins Seminar: “Teamentwicklung” geschickt, und nach ein Paar Monaten  in “Stressbewältigung und Resilienz”. Maximal für 2 Tage, denn das Team hat viel zu tun. Einfach weil sie etwas Vielversprechendes im Südosten fanden.

Daraus resultierend kann man sagen. Wo sieht sich das Team in 5 Jahren? Entweder nirgendwo oder im Stressseminar.

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